Montag, 7. Juli 2014

[Rezension] Aude le Corff - Bäume reisen nachts

Buchinfos: 
  • Titel: Bäume reisen nachts
  • Autor: Aude le Corff
  • Seitenanzahl: 201
  • Verlag: Insel Verlag
  • Preis: 12,99 Euro
  • ISBN: 978-3-4583-6019-3

Inhalt 

Manon ist gerade mal 6 Jahre als ihre Mutter sie verlässt. Was mit ihr passiert ist, weiß keiner. Ist sie tot? Wurde sie entführt? Ist sie weggegangen? Das Verschwinden von ihr bringt sowohl die kleine Manon als auch ihren Vater in eine Art Lethargie. Sie interessieren sich für nichts mehr und lassen niemanden an sich ran. Bis sich eines Tages Anatole, ein alter Mann, um Manon kümmert und wieder ihre Interessen weckt. Und dann taucht eines Tages ein Lebenszeichen von Manons Mutter auf: ein Brief. Sie ist in Marokko und es geht ihr gut. Kurzentschlossen beschließt Manons Vater sie dort zu suchen. Gemeinsam mit Manon, dem alten Anatole und Sophie, der Schwester von Manons Mutter, macht er sich auf den Weg nach Marokko. Doch was wird er dort finden? Das was er sich wünscht oder steht doch mehr hinter dem plötzlichen Verschwinden von ihr?


Meine Meinung

Interesse für das Buch haben bei mir schon allein das Cover und auch der Titel geweckt. Gerade der Titel ist sehr geheimnisvoll und hat nichts von der Geschichte erahnen lassen. Die kleine Manon ist mir auf Anhieb sympathisch. Sie tut mir wirklich leid. Mit so jungen Jahren wird sie von ihrer Mutter verlassen. Was muss sie denken? Bis zum Zeitpunkt der Briefe wusste sie noch nicht einmal, ob sie überhaupt lebt und hat sich die schrecklichsten Dinge vorgestellt. Ihr Vater hat sich nicht mehr um sie gekümmert, er konnte sich ja nicht mal um sich selbst kümmern. Da kam Anatole wie gerufen. Er ist ein liebenswerter alter Mann, der mit Manon Mitleid hat. Er als ehemaliger Lehrer schaut mehr auf Verhaltensweisen von Kindern als andere. Und irgendwo sind sich die beiden auch sehr ähnlich. Zum einen wurde auch Anatole von seinem Vater verlassen und zum anderen haben beide strikte Tagesabläufe. Sobald etwas diesen Verlauf stört, kommen beide schnell durcheinander und grübeln über die verschiedensten Dinge nach. Mir kam es beim Lesen oft als „krank“ bzw. verhaltensgestört herüber, auch wenn man beiden vielleicht äußerlich nichts ansehen muss. Das zeigt auch schon das Denken von Manon. Wie kommt ein junges Mädchen darauf, dass ihre Mutter von der Tiefsee und den Seegurken verschluckt worden sei???
Anatole ist in der ganzen Geschichte mein Lieblingscharakter. Solch fürsorgliche und selbstlose Menschen sollte es wirklich viel mehr geben. Er steckt einfach so zurück, lässt seine Verhaltensmuster und Schmerzen hinter sich und fährt Manon zu Liebe mit auf die Reise nach Marokko. Ohne Eigennutzen, nur um für Manon da zu sein. Das finde ich toll. Egoismus mag ich persönlich überhaupt nicht und Anatole verkörpert das komplette Gegenteil davon.
Die Geschichte an sich könnte in kurzen Sätzen erzählt werden, ihre Handlung erstreckt sich über vielleicht ein paar Tage. Doch nimmt der Autor hier viele kleine Details mit auf. Teilweise empfinde ich diese als wichtig, um besser im Geschehen mit drin zu sein. Zum anderen gibt es aber auch Details, die ich weniger wichtig finde. Gerade die Bezüge zur französischen/spanischen Geschichte oder die zu diversen Schriftstellern empfinde ich für mich als unwichtig und für die Geschichte nicht relevant. Deshalb würde ich es mir wahrscheinlich auch nicht merken. Der einzige Fakt, der mein Interesse aber geweckt hat, ist die Geschichte von dem kleinen Prinzen, die Anatole Manon jeden Tag vorliest. Ich kenne sie noch nicht, doch sie scheint ein kleines französisches Volksmärchen zu sein und ich ziehe in Erwägung mir auch diese Geschichte einmal zu Gemüte zu ziehen.

Insgesamt ist das Buch okay. Die Geschichte ist schön, vor allem das Ende, wobei dieses noch etwas ausgeschmückt hätte werden können. Mir ging es dann doch etwas zu schnell und die Reise endete zu plötzlich. Zwischendurch empfand ich es trotz der wenigen Seiten etwas zu langatmig. Alles ist aber verständlich geschrieben und lesbar.


Wertung

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